Wärmeleitfähigkeit: Nennwert und Bemessungswert

Wärmeleitfähigkeit: Nennwert und Bemessungswert


In Bezug auf unsere Wärmefluss-Messplatten-Geräte zur Ermittlung der Wärmeleitfähigkeit nach DIN EN 12664, DIN EN 12667 oder DIN EN 12939 tritt immer wieder eine Frage auf, die wir mit diesem Beitrag klären wollen:

Was ist der Unterschied:
“Nennwert” und “Bemessungswert” der Wärmeleitfähigkeit?

Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ:

Maßgeblich für den Wärmeschutznachweis gemäß Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) ist der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit. Er wird von Planern und Architekten für die Ermittlung der U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizienten) von Bauteilen herangezogen.

Nennwert der Wärmeleitfähigkeit λD:

Der Nennwert der Wärmeleitfähigkeit ist der Wärmeleitfähigkeits-Wert, der vom Hersteller eines Dämmstoffes auf dem Etikett deklariert wird. Er basiert auf der statistischen Größe Lambda 90/90, die für einen Dämmstoff die Wärmeleitfähigkeit definiert, die innerhalb eines Zeitraumes von maximal einem Produktionsjahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% bei 90% der ausgebrachten Produktionsmenge zutrifft. Der Wert λD ist unmittelbar auf dem Etikett des Dämmstoffes beim Erwerb im freien Handel ersichtlich. Er darf NICHT im Rahmen des Wärmeschutznachweises herangezogen werden.

Insulating Materials

Wie steht also der Nennwert, der vom Hersteller angegeben wird, mit dem Bemessungswert, der für die Wärmebedarfs-Berechnung zu Grunde gelegt wird in Zusammenhang? 

Seit Veröffentlichung der neuen DIN 4108-4:2017-03, die auf Basis des Urteils C-100/13 vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) Änderungen erfahren hat, gilt folgendes:

Die Bemessungswerte werden durch materialtypische, einheitliche Zuschläge auf den vom Hersteller deklarierten Nennwert λD wie folgt ermittelt:

  • nicht hygroskopische Dämmstoffe wie Mineralwolle, EPS, XPS, PU, usw.: λD • 1,03
    aber mindestens 1 mW/m·K
  • hygroskopische Dämmstoffe wie Holzfasern, Holzwolle, usw.: λD • 1,05
    aber mindestens 2 mW/m·K
  • An der Verwendungsstelle Hergestellter Schaum aus PU: λD • 1,10
    aber mindestens 3 mW/m·K
  • Dämmstoffe ohne Nachweise wie PE oder Vermiculite: λD • 1,20
    aber mindestens 7 mW/m·K
  • hygroskopische Dämmstoffe ohne Nachweise wie Kork: λD • 1,23
    aber mindestens 9 mW/m·K

Muss der Hersteller den für seinen Werkstoff gültigen Aufschlag ermitteln und den Bemessungswert auf seinem Etikett angeben?

Gemäß der europäischen Dämmstoffnormen ist der Hersteller zur Ermittlung des Nennwertes λD verpflichtet, der auf dem Wert Lambda 90/90 beruht. Dieser ist auf dem Etikett anzugeben. Die Umrechnung in den Bemessungswert liegt in der Verantwortung des für das Bauvorhaben zuständigen Bauherren, Bauunternehmer, Planer oder Architekten.

Ideal für die Ermittlung des Nennwertes der Wärmeleitfähigkeit: das HFM 446 Lambda Medium von NETZSCH
Ideal für die Ermittlung des Nennwertes der Wärmeleitfähigkeit: das HFM 446 Lambda Medium von NETZSCH

Alexander Frenzl has been employed in the Development Department at
NETZSCH Analyzing & Testing since 2005. In 2008, he became Head of the
Mechanical Development Department and, as such, has been involved
in the development of all NETZSCH instruments. Since 2014, Alexander
Frenzl has been the Business Segment Manager for Glass, Ceramics and
Building Materials and serves as an interface between our Development,
Sales and Marketing Departments. One of his focal points is industrial
quality assurance for insulating materials as well as the process optimization
during processing ceramics, especially with respect to new and more
efficient technologies.

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